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Gewalt und digitale Spiele

Dass digitale Spiele einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben, ist mittlerweile unter internationalen Forscherinnen und Forschern unbestritten. Schaut man sich aber die zahllosen Forschungsergebnisse auf die Frage ob und in welcher Weise diese Spiele aggressiv machen oder zu Gewalt anspornen näher an, kommt man zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Jugendlicher hält schwarzen, drahtlosen Controller

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Gewaltspielen und der direkten Ausübung von realer Gewalt ist nicht erwiesen. Viel eher deuten soziologische und psychologische Untersuchungen über jugendliche Gewalttäter an, dass eben diese Jugendlichen Gewalt am eigenen Leib verspürt haben, längst bevor sie Gewalt in den Medien überhaupt wahrgenommen haben konnten. Allerdings bleibt zu bedenken, dass Gewalt in den Medien bei solchen Jugendlichen die Meinung bestärken kann, überall in der Welt sei Gewalt das einzige Mittel, um sich durchzusetzen.

Wie wirkt Gewalt nun in digitalen Spielen?

Hier eine kleine Auswahl der gängigsten Wirkungstheorien der wissenschaftlichen Forschung, wenn es um die Darstellung von medialer oder fiktiver Gewalt geht. Die Anzahl lässt schon erahnen, dass es dabei ähnliche, aber auch sehr verschiedene bis sich widersprechende Positionen gibt. Interessant mag auch sein, dass die meisten dieser Theorien schon lange vor der Existenz von Film, Fernsehen und digitalen Spiele entstanden, sie werden jedoch noch immer in Bezug auf digitale Medien diskutiert.

Katharsistheorie

Die Katharsistheorie (Katharsis = „Reinigung“) geht davon aus, dass jeder Mensch Spannungen aufbaut, die auf irgendeine Weise abgebaut bzw. entladen werden müssen. Der Konsum von (fiktiven) Gewaltdarstellungen kann nach dieser Theorie als Ventil dienen, diese Aggressionen abzubauen und sich vom Drang Gewalt auszuüben quasi zu reinigen.

Theorie der kognitiven Unterstützung

Der Katharsistheorie nahstehend, besagt diese, dass durch die Darstellung von Gewalt die Phantasie von vor allem weniger gebildeten Menschen angeregt wird und so die geistige Kontrolle des Gewaltriebes unterstützt. 

Diese beiden Theorien gelten in der modernen Gewaltforschung weitestgehend als überholt.

Inhibitionstheorie

Einen ähnlichen Ansatz wie die beiden oben genannten verfolgt die Inhibitionstheorie (Inhibition = Hemmung). Mediale Gewalt kann hiernach dazu führen, dass so etwas wie Aggressionsangst entsteht. Es wird also eine innere Hemmschwelle aufgebaut, die verhindert, selbst Gewalt auszuüben.

Simulationstheorie

Sie behauptet -  vereinfacht gesagt – genau das Gegenteil der Inhibitionstheorie. Wie der Name schon vermuten lässt, werden Menschen erst durch die Darstellung von Gewalt auf die Idee gebracht, diese auch selber in der Realität umzusetzen. Die Hemmschwelle Aggressionen auszuleben wird nicht ab- sondern vielmehr aufgebaut. 

Diese Theorie wird von den Befürwortern eines stark reglementierten Umgangs mit Mediengewalt vorgebracht.

Habitualisierungstheorie

Nach dieser Theorie kann die Gewalt in Medien eine abstumpfende bzw. gewöhnende (daher der Name) Wirkung haben bzw. wird behauptet, dass man sich durch den Konsum von fiktionaler Gewalt auch an real existierende Gewalt gewöhnt.

Emotionalisierungstheorie

Sie sagt aus, dass fiktionale Gewaltdarstellungen übertriebene Angstreaktionen in der wirklichen Welt auslösen, die in Extremsituationen auch zu einem gewalttätigen Ausbruch führen können.

Suggestionstheorie

In der Suggestionstheorie wird der Ansatz verfolgt, dass die mediale Gewalt für Menschen in besonderen persönlichen Situationen eine negative Wirkung entfalten kann. Vor allem in der Suizidforschung wird die Theorie vertreten, dass die Darstellung von Todesfällen, insbesondere von bekannten Menschen, den Freitod begünstigen kann. Besser bekannt ist diese Theorie unter dem Begriff „Werther-Effekt“, nach dem die „Leiden des jungen Werther“ viele Menschen zum Selbstmord animiert hat.

Theorie vom Lernen am Modell

Diese Theorie geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück. Demnach bieten dargestellte (gewalttätige) Handlungsmuster vor allem Kindern ein Modell, diese Muster als Vorbild anzusehen und selber auszuüben. Entscheidend dabei ist aber vor allem, dass die (gewalttätige) Handlung vom Modell belohnt wird, dieses sympathisch dargestellt ist, dem/der Beobachter/in ähnlich ist und die dargestellten Handlungen nachvollziehbar sind.

Theorie von der Wirkungslosigkeit

Dieser Theorie nach spielen Medien eine eher untergeordnete Rolle neben einflussreicheren Faktoren wie Familie, Freunde, Schule usw.

Fazit

Alle genannten Theorien konnten bisher noch nicht eindeutig empirisch bewiesen werden. Dies hat vor allem zwei Gründe:
  1. Man versucht, das Ausüben aggressiven Verhaltens auf genau eine Ursache (mediale Gewaltdarstellung) zurückzuführen, muss aber möglichst viele andere Einflussfaktoren (soziales Umfeld, Vorerfahrungen, etc.) berücksichtigen. 
  2. Viele Experimente werden unter (oftmals sehr künstlichen) Laborbedingungen durchgeführt, was eine generelle Aussage erschwert.